Aktuelles zum DPLP

Geneva Days

Vom 14. bis 15. November begleitete Professorin Mariana Valente die Jahrgänge 2024.1 und 2025.1 des Digital Policy Leadership Program (DPLP) auf einer Exkursion zu internationalen Organisationen in Genf.

Das DPLP ist ein einsemestriges Austauschprogramm zwischen Studierenden der Universität St.Gallen (Schweiz) und INSPER (Brasilien). Es wird von der Lemann-Stiftung gefördert und hat sich zum Ziel gesetzt, die nächste Generation von Führungskräften im Bereich der Digitalpolitik für beide Länder auszubilden.

Während des Besuchs erhielten die Studierenden Einblicke in das internationale Ökosystem der Digitalpolitik.

Tag 1

Der Tag begann mit einem Besuch der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und einer Präsentation über deren Bemühungen zum Schutz der Ideen von Innovatoren und Kreativen über Grenzen hinweg. Beim anschließenden Mittagessen mit Marcelo Daher, dem Menschenrechtsbeauftragten für Meinungsfreiheit beim OHCHR, erkundeten die Studierenden das UN-System und die Auswirkungen der Informationsintegrität auf die Menschenrechte.

Bei der DiploFoundation gab Marilia Maciel, Leiterin des Bereichs Digitaler Handel und Internetpolitik, einen Überblick über die dynamische digitale Politikszene Genfs und die laufenden globalen Verhandlungen.

Der Tag schloss bei der brasilianischen Vertretung bei der WTO, wo Ministerrat Erika Watanabe Patriota und brasilianische Diplomaten ihre Sichtweisen auf Brasiliens Position in den Diskussionen über digitale Governance darlegten.

Tag 2

Bei der UNCTAD hatten die Studierenden die Gelegenheit, Alexander Riveros, Leiter des Direktoriums der Abteilung Technologie und Logistik, und die Ökonomin Laura Cyron zu treffen. Sie erfuhren, wie die UNCTAD Entwicklungsländer dabei unterstützt, Technologie für inklusives und nachhaltiges Wachstum zu nutzen, und konnten sich direkt mit den Experten des Berichts zur digitalen Wirtschaft 2024 austauschen.

Der Besuch endete mit einer Führung durch den berühmten Palais des Nations unter der Leitung von Mazin Khan von UNITAR, die den Studierenden einen Einblick in Genfs reiche diplomatische Geschichte gewährte.

Unser Besuch begann bei der WIPO, wo Frau Deblue die Mission der WIPO zur Förderung von Innovationen durch geistiges Eigentum vorstellte. Sie erläuterte deren internationale Rolle und Initiativen zur Unterstützung von Unternehmen, politischen Entscheidungsträgern und Ländern.

Anschließend führten wir ein informelles Mittagessen mit Pedro Lana und Raquel Gatto, die mit ISOC und CGI.br (dem brasilianischen Internet-Lenkungsausschuss) verbunden sind. Sie erklärten das Multi-Stakeholder-Governance-Modell und die Mission der Internet Society, ein offenes, global vernetztes, sicheres und vertrauenswürdiges Internet zu fördern, und gaben Einblicke in digitale Inklusion, politische Interessenvertretung und aktuelle Debatten zur Internet-Governance.

Nach dem Mittagessen besuchten wir die DiploFoundation, wo Frau Horejsova die Arbeit von Diplo zur Stärkung der Beteiligung von Entwicklungsländern an der globalen digitalen Governance präsentierte. Sie hob die Kurse und Programme hervor, die zukünftige Führungskräfte auf die Herausforderungen der digitalen Diplomatie und Politik vorbereiten.

Im Palais des Nations trafen wir Frau Azin Tadjdini vom OHCHR. Frau Tadjdini gab uns einen klaren Überblick über die Funktionsweise des UN-Systems, erörterte Prioritäten für den digitalen Bereich und stellte die Initiative „Global Digital Compact“ vor.

Der Abend klang mit einem Abendessen und einer Diskussion mit Isabel Ebert vom B-Tech-Projekt aus. Wir sprachen über die Interaktion zwischen der UN und Unternehmen und darüber, wie das B-Tech-Projekt große Technologiekonzerne wie Meta, Microsoft und Cisco dabei unterstützt, ihre Nutzungsbedingungen zu verbessern, um sicherzustellen, dass Plattformen weiterhin die Menschenrechte achten.

Am zweiten Tag besuchten wir die UNCTAD, wo Frau Cyron einen Vortrag über die ökologischen und entwicklungspolitischen Auswirkungen der Digitalisierung hielt. Wir diskutierten, wie die digitale Transformation den Welthandel verändert und wie wichtig es ist, inklusivere und nachhaltigere digitale Wirtschaftssysteme zu fördern.

Wir beendeten unseren Besuch bei UNITAR, wo wir den Palais des Nations besichtigten und mehr über die Rolle von UNITAR bei der Stärkung von Aus- und Weiterbildung für internationale Zusammenarbeit und Diplomatie erfuhren.

Wir sind allen Organisationen und Fachkräften, die uns so herzlich empfangen, ihre Zeit und ihr Fachwissen mit uns geteilt und dazu beigetragen haben, diesen Besuch zu einer außergewöhnlichen Lernerfahrung zu machen, zutiefst dankbar. Ihre Offenheit und ihre wertvollen Einblicke haben uns alle nachhaltig geprägt, und wir freuen uns darauf, diese Verbindungen in unserer zukünftigen Arbeit weiter auszubauen.

* Das DPLP ist ein Austauschprogramm, das Studierende des Insper Institute in Brasilien und der Universität St. Gallen in der Schweiz zusammenbringt. Es wird von der Lemann-Stiftung finanziert und von der Stiftung für Recht und Wirtschaft unterstützt. Ziel des Programms ist die Ausbildung der nächsten Generation von Führungskräften im Bereich Digitalpolitik und Internet-Governance. Es steht Bachelorstudierenden beider Hochschulen offen und begrüßt die Teilnahme von Studierenden mit unterschiedlichen akademischen Hintergründen.

 


 

 

Geneva Days 2026

Am 11. und 12. Mai begleiteten wir den Jahrgang 2026 des Digital Policy Leadership Program durch die Geneva Days – einen der prägenden Höhepunkte des Programms. Diese zwei Tage bieten den Fellows etwas, das kein Hörsaal vollständig ersetzen kann: direkte Begegnungen mit den Institutionen, Menschen und Prozessen, die Digitalpolitik weltweit gestalten – sowie einen offenen Einblick in die Komplexität internationaler Arbeit in diesem Bereich und die vielfältigen Karrierewege, die sich daraus ergeben.

Tag Eins: Menschenrechte, Wissen und die Architektur digitaler Governance

Unser erster Besuch führte uns zum Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte (OHCHR), wo Marcelo Daher, ein Menschenrechtsspezialist, die Gruppe durch die vielfältige Arbeit des Büros führte – von der Begleitung von Sonderberichterstattern und der Unterstützung von Untersuchungskommissionen bis hin zur Verankerung von Menschenrechtsstandards in digitalen Governance-Agenden, einschließlich KI-Regulierung und Plattformverantwortlichkeit. Er sprach auch offen über den Druck, dem das Büro derzeit ausgesetzt ist: Budgetkürzungen, staatsgetriebene Agenden und die politische Instrumentalisierung der Meinungsfreiheit schränken den Handlungsspielraum für wirksame Menschenrechtsarbeit zunehmend ein.

Anschließend nahmen die Fellows an einer Gruppendiskussion mit Sean Flynn, Direktor des Centre on Knowledge Governance, teil – einer Gesprächsrunde, die auf empirischer Forschung aufbaute. Flynn zeichnete die Schnittstelle von geistigem Eigentum und Entwicklung nach und zeigte, dass Debatten rund um Urheberrecht und KI keineswegs eindimensional sein müssen. Sorgfältig gezogene Unterscheidungen zwischen kommerziellen Nutzungen und solchen, die Forschung oder dem öffentlichen Interesse dienen, können die Agenda für einen freien Wissenszugang substanziell voranbringen.

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Besuch bei der Diplo Foundation, wo Sorina Teleanu, Direktorin für Wissensmanagement, einen eindrücklichen Überblick über die Arbeit der Stiftung in der Ausbildung von Diplomatinnen und Diplomaten für digitale Governance-Fragen gab. Ihre Führung durch die überlagernden Schichten internationaler Digitalpolitik war für viele Fellows eine Offenbarung: Digitalpolitik umfasst, wie sich zeigte, Infrastruktur, KI, Entwicklung, digitale Wirtschaft, Menschenrechte, Sicherheit und Kapazitätsaufbau – und für jeden dieser Bereiche laufen gleichzeitig mehrere Prozesse, oft parallel und bisweilen in gegenseitiger Spannung.

Tag Zwei: Internetinfrastruktur, multilaterale Diplomatie und die digitale Wirtschaft

Der zweite Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstücksgespräch mit Carl Gahnberg, Senior Director of Public Policy and Technology bei der Internet Society (ISOC). Gahnberg entfaltete eine faszinierende historische Perspektive auf die Ursprünge der Internetinfrastruktur und die Herausforderungen ihrer frühen Entwicklung. Er führte die Gruppe tief in Themen wie technische Standards und die Verwaltung von Domainnamen ein – ein Bereich, der selten Schlagzeilen macht, ohne den das Internet jedoch schlicht nicht funktioniert. Im Gespräch wurde deutlich, dass „Internet Governance" vieles bedeuten kann; im spezialisierten Feld der Digitalpolitik ist der Begriff jedoch eng mit Debatten rund um die sogenannte „Infrastrukturschicht" verknüpft.

Es folgte eine Führung durch den Palais des Nations, geleitet von Ainun Jariyah von der Abteilung für multilaterale Diplomatie bei UNITAR. Mit spürbarer Begeisterung vermittelte sie historische und institutionelle Hintergründe der Vereinten Nationen und ihrer Gebäude – und stellte dabei immer wieder den Bezug zu den Arten von Diskussionen und Entscheidungen her, die dort täglich stattfinden. Besonders in Erinnerung blieb den Fellows die Gelegenheit, im Anschluss an eine multilaterale Sitzung zu Barrierefreiheitsrechten direkt mit Delegierten ins Gespräch zu kommen.

Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch bei der UNCTAD, wo sich das Programm den Fragen der digitalen Wirtschaft widmete. Laura Cyron, Economic Affairs Officer in der Digital Economy Policy Research Section, präsentierte Daten und Überlegungen zur Konzentration im Technologiesektor – und zur wachsenden Konzentration in der KI-Forschung – sowie zu den vielschichtigen Herausforderungen globaler digitaler Inklusion. Im Mittelpunkt stand auch ein Bericht von 2024 über den ökologischen Fußabdruck digitaler Technologien. Das Fazit: Die Last liegt überproportional auf den Schultern der Entwicklungsländer – jener, die die wenigsten Vorteile abschöpfen, aber die größten Umweltkosten tragen.

Wir danken herzlich allen Institutionen, Fachleuten und Gastgeber:innen, die unsere Delegation so offen empfangen und ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben. Laut unseren Studierenden war es eine augenöffnende und nachhaltig prägende Erfahrung.

Wir freuen uns bereits auf die nächsten Ausgaben dieser inspirierenden Initiative.

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